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Virtuelle Trauzeremonie – mit ganz viel Herz!

Virtuelle Trauzeremonie? Geht das überhaupt? Die Trauredner von Strauß & Fliege haben in den letzten Woche ja schon öfter darüber berichtet, wie die aktuelle COVID-19 Krise die Hochzeiten unserer Paare gefährdet – und auch von Paaren, die sich ungewöhliche und virtuelle Wege einfallen haben lassen, um “ihren Tag” trotzdem feiern zu können.

Virtuelle Trauzeremonie mit Morten von Strauß & Fliege

Heute sprechen wir mit unserem Trauredner Morten. Er hat die erste Strauß & Fliege Trauzeremonie im virtuellen Raum gehalten hat. Lest hier das Interview!

Lieber Morten, Du hast am letzten Wochenende eine Hochzeitszeremonie virtuell über ZOOM begleitet. Wir hatten im Strauß & Fliege Team ja intern schon spekuliert, ob und wie das klappen könnte. Jetzt hast Du es tatsächlich erleben dürfen. 

Ja das stimmt, das sind schon besondere Zeiten gerade…

Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
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Hol uns bitte erstmal ab: Was wäre der eigentliche Plan für die Hochzeit gewesen?

Mein Paar, Steffi und Matthias, wollte am 11. April 2020 mit ihren Familien und Freunden in der Alten Gärtnerei in Taufkirchen heiraten. Mitte Dezember letzten Jahres haben wir uns kennengelernt und nach einem super netten ersten Gespräch haben die beiden sich für mich als ihren Trauredner entschieden.

Danach ging dann alles erstmal seinen gewohnten Gang: Wir hatten weitere schöne und offene Gespräche. Die beiden haben mit erzählt, wie sie sich kennengelernt haben, wie die Beziehung sich entwickelt hat, was ihr Leben und Ihre Liebe so ausmacht und natürlich wie der Hochzeitsantrag aussah. Auch mit einigen Freunden hatte ich schon telefoniert, die mir noch so das eine oder andere über die beiden erzählt haben und was sie in ihren Augen zu einem tollen Paar macht.

Die Rede schon fast fertig geschrieben, habe auch ich mich schon sehr auf eine Frühlingshochzeit mit den beiden gefreut.

Wir verstehen. Dann kam also Corona und auf einmal stand alles auf der Kippe. Wie sind die beiden damit umgegangen?

Mitte März wurde klar, dass wir keine Chance gegen Corona haben würde. Vielleicht hätten die beiden und ich noch irgendwie zusammengefunden, um eine Hochzeitszeremonie zu begehen. Alle ihre Liebsten wären dann aber nicht dabei gewesen, weil es zu gefährlich gewesen und ja mittlerweile auch schlicht verboten wäre. Und das wäre für die beiden einfach nicht in Frage gekommen, denn für sie ist es wichtig vor und mit ihren Familien und Freunden zu heiraten und zu feiern. Sie haben daher trotz der Enttäuschung den Schritt getan und entschieden, die Hochzeit auf das nächste Jahr zu verlegen.

Ich habe einen enormen Respekt vor dieser Entscheidung! Sie haben diese Entscheidung getroffen, als vieles noch unklarer war als es das ja sogar heute, Wochen später, noch ist.

Wie kam denn die Überlegung zu Stande, den eigentlichen Hochzeitstag auf andere Weise zu begehen? Und wie kam es dazu, eine virtuelle Trauzeremonie zu organisieren?

Trotz der wirklich vernünftigen Entscheidung und nun der Freude auf die Zeremonie im kommenden Jahr, blieb bei den beiden weiterhin die Enttäuschung und Wehmut: Sogar in den Ringen war ja schon das Datum eingraviert. Ihnen wurde klar, dass sie den Tag nicht einfach verstreichen lassen wollten.

Einige Tage vorher hatten sie daher beschlossen, sich an dem Nachmittag des 11. April nur zu zweit gegenseitig einige Worte der Liebe zu sagen. Und auch, sich Versprechen zu geben, die sie sich bis zum nächsten Jahr geben wollen. Außerdem wollten sie einfach gemeinsam anzustoßen und einen schönen und entspannten Nachmittag verbringen.

Das klingt nach einer total schönen Idee!

Matthias hatte dann aber anderes im Sinn, denn so richtig hätte das nicht zu den beiden gepasst: Ihre Familien und Freunde spielen eine große Rolle in ihrem Leben. Matthias hat darum einige Tage vorher ohne Steffis Wissen die engsten Familienmitglieder und Freunde eingeladen, virtuell per Videotelefonie dabei zu sein. Und er hat mich gefragt, ob ich nicht auch ein paar Worte sagen und das Ganze anleiten könne.

Das hat dann natürlich meinen Rednerehrgeiz geweckt. Einfach nur ein paar Worte sagen hätte ich dem Anlass nicht angemessen gefunden. Wir haben also gemeinsam eine kleine Zeremonie ausgearbeitet und einen schönen Ablauf festgelegt. Denn auch in Coronazeiten und gerade bei einer Überraschungszeremonie gilt, dass eine gute Vorbereitung alles viel entspannter macht. Ich habe mich dann zwei Tage ins Zeug gelegt, um die passenden Worte für das zu finden, was Matthias und ich eine „Liebeszeremonie“ genannt hatten.

Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
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Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell
Strauß & Fliege Trauredner Morten begleitet eine Trauzeremonie virtuell

Wie lief das Ganze dann konkret ab?

Matthias hat am Samstagnachmittag bei den beiden in der Wohnung Kameras und Fernseher heimlich und leise aufgebaut und den Videocall für alle gestartet. Währenddessen hat Steffi sich noch umgezogen und weiterhin geglaubt, dass nur sie zu zweit den Moment begehen würden.

Ich habe mich zur gleichen Zeit in mein Redneroutfit geworfen, meine Webcam aufgebaut und mich in den Videocall eingewählt. Da habe ich dann schon in die Gesichter von Freunden und Familien geschaut, die alle gespannt waren, was da nun passieren würde.

Steffis Überraschung und Freude war dann wirklich groß, als sie aus dem Zimmer kam und uns alle auf dem Bildschirm erblickt hat. Einige hatten sich richtig in Schale geworfen mit Kleidern, Hemden, Sakkos und Fliegen. Untenrum gab es dann aber auch die eine oder andere Jogginghose. Die beiden haben sich dann vor der Kamera platziert und ich habe die Zeremonie begonnen.

Wie hast Du die virtuelle Trauzeremonie – die “Liebeszeremonie” – gestaltet?

In unserem allerersten Gespräch hatte ich den beiden gesagt, dass eigentlich nur eine Sache wichtig ist bei ihrer Hochzeit: Es geht um die Liebe zwischen ihnen. Es geht darum, dass sie diese Liebe aussprechen und sich für ihre gemeinsame Zukunft Versprechen geben. Alles Worte, die sie dann immer mal wieder lesen können. In guten Zeiten, um sich daran zu erfreuen, und in schlechten Zeiten, um sich daran zu erinnern.

Ganz klar war allen, dass es diese Worte in Form von Eheversprechen im kommenden Jahr geben wird, bei der eigentlichen Hochzeitszeremonie. Aber da man solche Worte nicht oft genug sagen und hören kann, haben sie sich vor uns allen Liebeserklärungen gemacht und Versprechen für die kommenden Monate gegeben. Dabei blieb dann kein Auge trocken wie ein Blick auf die vielen Videofenster gezeigt hat.

Eigentlich stelle ich bei einer Zeremonie ja nicht die berühmte „Ja“-Frage, an deren Stelle stehen in der Hochzeitszeremonie ja gerade die Eheversprechen, die sich beide gegenseitig geben. Aber in diesem Fall habe ich dann doch gefragt. Und zwar, ob die beiden, nachdem sie wochenlang auf engstem Raum miteinander verbracht haben und die Liebesworte und Versprechen des anderen gehört haben, den anderen weiterhin im kommenden Jahr heiraten möchten. Von beiden gab es ein lautes und klares „Ja“ als Antwort.

Besiegelt wurden diese Versprechen dann mit dem Anstecken der Ringe und natürlich einem Kuss, während in allen Videofenstern Applaus zu sehen war.

Als kleine Überraschung im Anschluss hatte ich mit Freunden der beiden dann noch abgemacht, dass ein wirklich schönes Video gezeigt wurde, in dem viele ihrer Liebsten sich sehr kreativ und liebevoll ins Zeug gelegt haben, um den beiden einen – trotz allem – schönen „Coronazeremonie“- Tag zu wünschen.

Wir Trauredner leben ja auch immer von der direkten Kommunikation mit dem Paar und auch den Gästen. Wie hast Du Dich gefühlt, ohne dass die Menschen wirklich vor Dir saßen?

Das war in der Tat eine völlig neue Erfahrung. Für mich ist die direkte Reaktion und die Stimmung von Paar und Gästen immer etwas, das mich während der Zeremonie trägt. Da wird gelacht, geweint, auch mal was reingerufen oder ein kleines Kind kommt plötzlich nach vorne gerannt. Dazu die Stimmung, die so eine schön dekorierte Location setzt.

Ich würde lügen, wenn ich nun sagen würde, dass es das alles nicht braucht und wir ab jetzt nur noch virtuelle Trauzeremonie ausrichten sollten. Aber darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, in Zeiten von physischer Entfernung zueinander, die nun mal gerade notwendig ist, trotzdem Nähe herzustellen. Und was gibt es dann Schöneres als in die Gesichter von Menschen zu schauen, die alle in ihrem Zuhause sitzen und die alle eine Sache verbindet: Die Freundschaft und die Liebe zu dem Hochzeitspaar. Und das Paar zu sehen, das vor Freude strahlt. Das es genießt, diesen Moment mit ihren Liebsten auf diese Art teilen zu können, sie auf eine andere Art bei sich zu haben. Ich habe immer mal wieder meinen Blick über die einzelnen Videokacheln wandern lassen und habe hier und da ein Taschentuch gesehen. Das hat mir gezeigt, dass Emotionen vor allem etwas mit gefühlter Verbundenheit und weniger mit räumlicher Nähe zu tun haben.

Ich war im Anschluss an diese virtuelle Zeremonie genauso voller positiver Energie und Endorphinen wie ich es nach den normalen Zeremonien bin. Die Freude des Paares und der Gäste hat sich auch auf diesem Wege übertragen.

Wenn wir das richtig verstanden haben, dann wird das eigentliche Fest nachgeholt? Wie bist Du mit dem Brautpaar verblieben?

Genau, die beiden wollten möglich viel Abstand zwischen Corona und dem neuen Datum. Nach Gesprächen mit der Location und mit mir wurde dann ein Termin gefunden im Herbst 2021, der für alle Beteiligten passt. Ich habe mich natürlich riesig darüber gefreut, dass die beiden auch zu mir ein zweites Mal „ja“ gesagt haben. Jetzt wäre ja der perfekte Zeitpunkt gewesen, mich loszuwerden. (lacht)

Auch, wenn ich die Rede schon fast fertig hatte, werde ich sie im kommenden Jahr nicht einfach aus der Tasche ziehen und so halten, wie sie heute aussieht. Dazu ist das, was derzeit passiert, einfach ein zu gravierendes Ereignis. Steffi und Matthias sehen sich aufgrund ihrer Berufe unter der Woche oftmals gar nicht. Und nun plötzlich verbringen sie viele Wochen lang ihren ganzen Tag miteinander. Und zwar nur miteinander. Das macht nochmal enorm viel mit einem Paar und einer Beziehung.

Daher habe ich mit den beiden schon abgemacht, dass wir ein paar Monate vor dem neuen Termin im kommenden Jahr nochmal ein Gespräch führen. Zum einen, weil es echt nett ist mit den beiden Zeit zu verbringen. Zum anderen aber eben auch, um zu hören, wie sie diese intensive Zeit erlebt haben. Und ob und wie es vielleicht auch etwas verändert hat. Spoiler Alarm: Sie haben mir schon erzählt, dass sie die viele gemeinsame Zeit echt super finden.

Lieber Morten, danke für das Teilen dieses tollen Erlebnisses!


Wäre eine virtuelle Trauzeremonie auch was für Euch?

Wir sind gespannt, welche neuen Arten des Heiratens in den kommenden Monaten noch auf uns zukommen werden. Und wir werden weiterhin unser Bestes geben, Euch dabei zu unterstützen, dass Euer Hochzeitstag etwas ganz besonderes wird – auch virtuell!

Schreibt uns eine Nachricht und wir besprechen alles Weitere persönlich miteinander. Wir freuen uns auf euch!

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