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Arbeiten als freie Rednerin – Angela berichtet!

Seit dieser Hochzeitssaison ist Angela eine von Strauß & Fliege vermittelte freie Rednerin. Sie genießt es besonders, ihren Paaren die Sicherheit zu geben, ihren großen Tag wirklich ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Für uns atmet Angela kurz durch und blickt auf die letzten Hochzeitswochenenden zurück.

Du bist jetzt in Deiner ersten Saison als Hochzeitsrednerin… wie hast Du Dich darauf vorbereitet?

Ich habe ja früher schon einige Reden im privaten Rahmen gehalten, daher ist es nichts Neues für mich gewesen, sich als Außenstehender in das Leben anderer quasi „einzuarbeiten“. Trotzdem: Es sind erstmal unbekannte Menschen für mich. Diese muss ich im Laufe der Zeit kennenlernen. Schließlich geht es um deren Leben und Beziehung. Ich habe mich auf die ersten „fremden“ Hochzeiten und Menschen beim Kennenlernen zunächst immer vorbehaltlos eingelassen. Ich wollte nachgespüren, ob da auch bei mir was „anspringt“ und nicht nur die Paare mich sympathisch finden. Zum Glück habe ich ein äußerst zuverlässiges Bauchorakel.

Wenn ich das Gefühl habe „Ja, das wird was mit uns“, dann ist die Vorbereitung und die vielen Gespräche, bei denen wir unter anderem den “gefürchteten” Fragen auf den Grund gehen, gleich auch ein bisschen wie Hineinspüren. Dadurch kann ich das herausfiltern, was die beiden ausmacht, ihre Essenz. Jedes Paar hat seine eigene Art, auf sich und das Leben zu schauen.

Das merkt man natürlich in den Gesprächen bzw. den Antworten. Insofern ist für mich die beste Vorbereitung immer noch, wenn eine gegenseitige Sympathie mich mit den Paaren  verbindet. Ich möchte, dass sie sich mir gegenüber öffnen und ich ihr Vertrauen in unserer gemeinsamen Zeit genießen darf.

Arbeit freie Rednerin
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Strauß & Fliege vermittelt Redner auf Hochzeiten. Warum hast Du Dich damals gemeldet und haben sich Deine Erwartungen erfüllt?

Ich habe mich ja sozusagen mit einer „Initiativbewerbung“ bei Johann beworben, weil ich zum einen gerne Reden halte und auch schreibe. Zum anderen fand ich aber insbesondere die Philosophie und das ganze Ambiente, die liebevoll gestaltete Webseite etc. einfach wundervoll. Und weil ich damals bei meiner eigenen Hochzeit, leider keinen freien Redner hatte, ich aber hinter der Idee einer freien Trauung absolut stehe.

Kurzum: Da kam wohl sowas wie Wehmut auf, dass ich selbst nicht so etwas Wunderschönes haben konnte. Strauß & Fliege bietet die Möglichkeit, dass nun zumindest andere Paare in diesen Genuss kommen. Und was die Erwartungen betrifft: Ich hatte wenig bis keine. Ich habe mich einfach darauf eingelassen und bin nach wie vor begeistert und supergerne dabei.

Was sagst du Paaren, die eine freie Trauung wünschen?

Die meisten entscheiden sich ja für eine freie Trauung, weil sie mit den kirchlichen Elementen nicht so viel anfangen können. Aber witzigerweise stelle ich immer eine klitzekleine „Hemmschwelle“ bei den Paaren fest. Viele trauen sich nicht, aus einer Freien Trauung auch wirklich „ihr Ding“ zu machen. Also, sich tatsächlich von A bis Z die „Erlaubnis“ geben, das umzusetzen, was sie sich vorstellen. Natürlich schlage ich einen Ablauf vor, der sich bewährt hat, weil er zeremoniell, feierlich und trotzdem nicht zu lange ist. Und meistens nehmen die Paare das gerne als Rahmen für ihre Freie Trauung an.

Aber sehr, sehr oft darf ich auch Mutmacher und Reminder sein, und am Ende lachen die Paare schon, wenn ich immer wieder sage „Das ist euer Tag”! Bei manchen spielt einiges an unbewusster Erwartungshaltung von außen mit. Das sage ich auch mal direkt: „Es ist wurschtegal, ob die Stuhlhussen zur Krawatte vom Bräutigam passen.

Und es ist auch superwurschtegal, was die Tante Erna sagt, weil ihr das Eheversprechen wirklich nur flüstert und sie nix versteht“. Diese Erleichterung zu sehen; zu erleben, wie die Anspannung von vielen abfällt, das ist wichtig. Dass die Paare tatsächlich alles wirklich so realisieren dürfen, wie sie sich ihren schönsten Tag immer vorgestellt haben und wünschen – das ist wunderschön!

Was sind bleibende Eindrücke, die Du aus Deinen Gespräche mit den Paaren mitgenommen hast?

Oh, da gibt es viele! Und so unterschiedliche! Jedes Paar und jedes Gespräch sind irgendwie einzigartig und schön. Natürlich gibt es bei meinen Paaren immer auch „Schicksäler“. Das sind Menschen, die wirkliche Päckchen zu tragen hatten oder haben und das Leben trotzdem ganz wunderbar nehmen. Und zum anderen sind es manche Gespräche, die Wendungen ins Philosophische bekommen oder in tolle Diskussionen ausarten, in denen es dann plötzlich gar nicht mehr um die Hochzeit geht!

Was ich auch ganz wunderschön finde, ist das Feedback der Paare auf meine vielen Fragen. Denn ich will ja nur möglichst viel wissen, aber trotzdem nicht indiskret sein. Ein Bräutigam meinte da mal zu mir: „Also weißt du, da fühlt man sich ja wie auf der Couch vom Freud!“ Tatsächlich ist das das schönste Kompliment für mich, wenn meine vielen Fragen beim Paar die Antwort auslösen „Soooo haben wir noch nie auf uns geschaut oder über uns nachgedacht – aber das ist irgendwie toll!“

Und natürlich ist es auch jedes Mal wieder schön, wenn die Paare ihre Eheversprechen in den Zeremonien vorbringen. Besonders freut es mich, wenn es Paare sind, die sich anfangs überhaupt nicht damit anfreunden konnten! Am nachhaltigsten beeindruckt und berührt mich nach wie vor, wie sehr die Liebe bei allen Paaren in allen möglichen Facetten und Farben durchdringt und sich zeigt!

Das klingt vielleicht kitschig, ist es aber überhaupt nicht! Das ist so unglaublich magisch und immer-immer-immer einzigartig! Jedes Paar hat so eine unglaublich faszinierende eigene Art, ihre Liebe zu leben und zu zeigen. Deshalb antworte ich auch immer, wenn mich jemand fragt, warum ich diesen Job mache: Ich bade in Liebe – es gibt einfach nichts Schöneres!

Was waren auch schwierige Momente?

Weniger in den Gesprächen oder Zeremonien – da gibt es nichts, was für mich schwierig ist, denn „Nichts Menschliches ist mir fremd“. Ehrlich gesagt, war und ist bisher nur die Situation schwierig für mich gewesen, in der Paare mich als reine Dienstleisterin betrachten und behandeln wollten.

Da ja alle Rednerinnen und Redner bei Strauß&Fliege nebenbei noch einen „normalen“ Brotberuf und ein restliches Leben haben, ist unsere Tätigkeit als Hochzeitsredner gleichzeitig unsere Freizeit und deshalb auch für uns kein „Job“. Wäre er das – im schlechtesten üblichen Sinn – würden wir nicht soviel Herzblut hineinstecken.

Und das würden die Paare spätestens an den Reden merken.Daher verstehen wir uns nicht als reine „Dienstleister“ sondern eher als Personen, die gemeinsam mit unseren Paaren an einem der schönsten Tage ihres Lebens arbeiten. Daher bin ich auch nicht 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche erreichbar, mir geht es mehr um qualitative Zeit.

Ich bekomme aber ziemlich schnell im ersten Gespräch mit, ob ein Paar „nur“ eine Person sucht, die eine Rede hält oder wirklich mich und somit jemanden, der sich persönlich mit ihnen auseinandersetzt. Im Zweifel sage ich dann auch schon mal von mir aus „Nein“ zu einer Hochzeit.

Du hast jetzt Deine ersten Hochzeiten für durch Strauß & Fliege vermittelte Paare absolviert. Wie war es? Warst Du aufgeregt?

Ich war erstaunlicherweise nur ein klitzekleines bisschen aufgeregt. Vermutlich bricht da mein „Mama-Gen“ durch: Ich bin an diesem Tag der „Head of Hochzeit“, sprich: Ich leite die Zeremonie, ich halte die Rede – und ich sollte den Paaren genau das vermitteln, was es für sie braucht, damit sie diesen Tag als wunderschön in Erinnerung behalten.

Da ist mein Verantwortungsgefühl angesprochen und da rede ich nicht nur, sondern schüttle auch aufgeregte Schwiegerelternhände und halte Smalltalk mit den anderen Gästen. Ich reiche Braut und Bräutigam Taschentücher für die Tränchen, und und und. Ich bin die, die ruhig und klar bleibt, damit das Paar und die Gäste nervös-freudig sein dürfen.

Was steht diese Saison noch bei Dir an?

Abgesehen davon, dass ich meine aktuellen Paaren bei ihrem großen Tag begleite? Und dabei auch noch traumhafte Locations, tolle Fotografen und Musiker kennenlerne?!

Ich werde im Herbst eine freie Trauung im Augustinerkeller leiten, außerdem gibt es eine mit Schnapstrinken statt Ringwechsel. Dann ist noch eine Familienhochzeit, bei der nicht nur die Eltern nach vielen Jahren heiraten und einen Ring bekommen, sondern auch die Kinder.

Und ich darf in diesem Jahr ein gleichgeschlechtliches Paar bei ihrer Hochzeit begleiten!Außerdem läuft schon die Planung für nächstes Jahr in vollen Zügen und ich lerne viele der zukünftigen Paare noch in diesem Herbst kennen; darunter auch zwei Paare, die nicht zum ersten Mal heiraten: Das ist natürlich superschön!

Hast Du schon so etwas wie ein Markenzeichen entwickelt? Warum denkst Du, sollten sich Paare speziell bei Dir melden?

Ein „Markenzeichen“ würde ich es nicht nennen, aber ich muss immer noch und bei jeder Hochzeit ein bisschen mitschniefen! Meistens, wenn die Braut ihren Einzug hat oder bei den Eheversprechen. Da vergieße ich dann ein paar kleine Rührungstränchen und habe Gänsehaut!
Etwas, was vielleicht mehr einem „Markenzeichen“ entspricht ist, dass ich mit die älteste Rednerin im Pool von Strauß & Fliege bin. Dadurch habe ich für viele Paare sowas wie einen „Lebenserfahrungs-Bonus“.

Ich kann aus einem anderen Blickwinkel auf viele Dinge schauen. Einige meiner Paare haben mich genau aus diesem Grund als ihre Rednerin gewählt. Sie wollen entweder jemanden, der 40+ ist und entsprechende Erfahrungswerte sammeln konnte. Oder sie haben selber schon Familie oder sind etwas älter.

Andere Paare haben mein „Exoten-Dasein“ toll gefunden und sich deshalb für mich als Rednerin entschieden. Wenn die Paare selbst sich z.B. als „anders“ empfinden, weil sie entweder einen ungewöhnlichen Lebensweg haben. Oder Paare, die mit 40 oder 50 Jahren nochmal heiraten und sich komisch dabei vorkommen, aber auch keine Hochzeit mehr möchten, wie damals mit 20 oder 30. Oder auch Paare, die eine Patchwork-Familie haben oder gleichgeschlechtlich sind. Oder weil sie selbst sich nicht als konventionell empfinden und daher auch keine konventionelle Hochzeit möchten.

Diese Paare sind sie dann bei mir natürlich genau richtig, denn meine Vita ist auch alles anderes als „normal“. In so einem Fall wissen die Paare einfach, dass man mir nicht viel erklären muss, sondern einfach so sein darf, wie man ist.

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen, liebe Angela!
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