Foto: Herr Holzner

“Da wo die wilden Otter wohnen!”

Ihr sucht noch eine Traurednerin in und um Berlin? Eure Suche war erfolgreich!

Strauß & Fliege freut sich, mit Linda eine wunderbare Traurednerin an der Spree begrüßen zu dürfen! Damit Ihr Euch auch ein Bild von Ihr machen könnt, haben wir sie interviewt!

Liebe Linda, erzähl doch mal: Wie bist du auf die Idee gekommen freie Traurednerin Berlin zu werden?

Alles fing mit einem Moment des Abschieds an. Mein Bruder ist leider frühzeitig von uns gegangen. Damals war mir schon klar, das es keine konventionelle Trauerfeier werden darf, sondern vielmehr ein Moment des gemeinsamen Erinnerns. So kam es dann, dass wir eine freie Rednerin einluden, welche viel Zeit und ein sensibles Gehör mitbrachte. Sie hat die Lebensfeier meines Bruders so warm und wahrhaftig gestaltet, dass sich jeder noch einmal an seine ganz besonderen Züge und Eigenarten erinnern konnte. Fast so, als wäre er selbst da, um uns seine Geschichte zu erzählen.

Dann ist es ja so, dass ich vom Land komme und dort oftmals noch sehr traditionell geheiratet wird. In dem Jahr als mein Bruder ging, waren er und ich zu der Hochzeit gemeinsamer Freunde eingeladen. Dort, wie es die Tradition so will, gab es zunächst die recht sachliche standesamtliche Trauung um dann den großen romantischen Moment in der Kirche zu feiern. Meinem Bruder und mir fiel auf, dass es wie so oft nicht wirklich um das Paar als zwei individuelle Menschen und ihre gemeinsame und besondere Geschichte ging, sondern fast schon eine nach Schema “F” abgehaltene Rede über Gott und die Ehe. Das darf natürlich so sein, wenn man es sich wünscht, aber ich denke doch, dass es an diesem heiligen Tag um mehr geht, als einer Tradition gerecht zu werden.

So hat mich also eher mein Bruder auf diese Reise geschickt – die Reise „auf der Suche nach mehr“: mehr direkte Worte, genaue Erzählungen, zarte vorsichtige Momente (die ersten Bekundungen der Liebe) und eben auch das Beleuchten der schwereren Augenblicke. Das Leben und besonders die Liebe verläuft nicht nach irgendwelchen Schemata.

Das ist eine sehr schöne Erkenntnis, die Du aus diesem ja doch sehr traurigen Ereignis ziehen kannst! Vielen Dank, dass Du das mit uns geteilt hast!

Sehr gerne.

Und was sind deine ganz privaten Gedanken zur Ehe?

Linda Stelzner, Traurednerin in Berlin
Foto: Catharina Kranich

Da ich selbst meine zweite Hälfte noch nicht gefunden habe, kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen. Allerdings habe ich das Glück, die Ehe meiner Eltern vor Augen zu haben, die wirklich gute und schlechte Zeiten hat und hatte.

Meine Eltern haben sich früh kennen gelernt und früh geheiratet, was damals auch so üblich war. Ihnen wurden große Aufgaben und Widerstände in den gemeinsamen Weg gelegt. Sei es durch die vielen beruflichen Auslandsaufenthalte meines Vaters oder, dass meine Mutter nicht gerade mit offenen Armen seitens seiner Eltern empfangen wurde bis hin zum frühen Tod ihres gemeinsamen Sohns.

Und so schwer es gewesen ist während dieser Zeiten, habe ich dennoch diese liebevollen Momente wahrgenommen, wenn mein Vater meiner Mutter über die Wange streichelte und einen Tee kochte, wenn sie müde war, oder sie bei unserem Mädchenshoppen mit drei Hemden für ihn zurückkam, weil er „eine kleine süße Plauze“ bekommen hat. Als Teenager habe ich mich oft gefragt und auch gewundert warum sie zusammen sind, weil ich nur die Schwere sah (wie es Teenagern – oft leicht betriebsblind – so zusteht). Mit den Jahren lernte ich genauer hinzuschauen, auf die Details, die Kleinigkeiten – wie eine zarte Berührung oder ein tiefer Blick des Verstehens, für das Unausgesprochene zwischen den Zeilen.

Wenn ihr mich fragt, was ich von der Ehe halte, muss ich sagen, dass es Arbeit ist, sehr viel Geduld, und auch Kompromissbereitschaft. Aber die Belohnung ist die Sicherheit, Gemütlichkeit, neues Leben, lebenslange Zweisamkeit und unabdingbare Liebe. Ich finde, dafür lohnt es sich immer zu kämpfen und ich wünsche mir, dass die “Institution Ehe“ den eher pragmatischen Beigeschmack, den sie in den letzten Jahrzehnten bekommen hat, wieder verliert. Runter mit der rostigen Patina, es gibt Dinge die glänzen dürfen!

Zum Abschluss musst du uns eines noch verraten: Was hat es denn nun eigentlich mit den “wilden Ottern” auf sich?

Ha! Das ist eine recht witzige Geschichte. Ich bin ja in der Lüneburger Heide geboren, genauer gesagt in Hankensbüttel und dort gibt es ein Otterschutz-Zentrum. Dieses Zentrum wirbt mit dem Slogan: Da wo die wilden Otter wohnen!

Mit Anfang zwanzig zog es mich nach Berlin, um erstmal am Theater zu arbeiten und die Luft und Freiheit der Großstadt zu schnuppern, vielleicht auch um das ein oder andere Hörnchen abzustoßen. Damals hatte ich eine Praktikantenstelle am Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz. An meinem ersten Tag fuhr ich mit der U9 zur Station Rathaus Steglitz, um von dort zum Theater zu gelangen. Die U-Bahn kommt an, öffnet ihre Türen, ich steige aus und bin noch sehr orientierungslos in der Großstadt, gucke der Bahn bei ihrer Weiterfahrt zu und dann ist es da: Ein riesiges Werbeplakat: HANKENSBÜTTEL! DA WO DIE WILDEN OTTER WOHNEN! Es sprang mich förmlich an. Das war damals ein ganz schöner Aufreger für mich, heute kann ich darüber lachen und finde es eigentlich auch ganz hübsch. Ich liebe meine Heimat und mein Zuhause bleibt Berlin.

Danke Dir, Linda!

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