Foto: Melanie Meißner (Hochzeitslicht)

“Eine Trauung ist für alle Paare etwas Besonderes.”

Unser Trauredner aus Berlin, Patrick Diemling, hat eine ganz besonders schöne queere Hochzeit begleitet. Die Redner von Strauß & Fliege sind bekannt für wertvolle und emotionale Zeremonien. Und für Queer legen wir uns gerne noch ein bisschen mehr ins Zeug!

Queer heiraten mit Strauß & Fliege

Hier im Interview erzählt er Strauß & Fliege von dieser Trauung.

Trauredner queer, freie Trauung queer in Berlin Strauß & Fliege
Foto: Melanie Meißner, Hochzeitslicht

Lieber Patrick, du bist Trauredner bei Strauß & Fliege und hast diesen März – noch kurz vor Corona – eine queere Hochzeit mit zwei Männern gefeiert. Erzähl doch mal, wie war das?

Super romantisch war das! Die beiden haben sich für eine fancy Location in Berlin-Friedrichshain entschieden, die Old Smithy’s Dizzle. Die passte vom Look her gut zur „Corporate Identity“ von Strauß & Fliege. Ich trage ja bei Trauungen am liebsten eine Fliege. Diesmal hab ich weiß gewählt, um farblich nicht mit den beiden zu konkurrieren. Denn die beiden hatten sich farbige Fliegen ausgesucht und wir haben uns vorher abgestimmt.

Außer dass sich bei einer Trauung diesmal zwei Männer verliebt in die Augen geschaut haben und beim Eheversprechen einen Kloß im Hals hatten, war es eine ganz „normale“ freie Trauung. Oft unterstellen einige queeren Paaren ja, dass es vielleicht besonders schrill oder laut zugehen muss. Aber das war bei den beiden überhaupt nicht der Fall. Im Kleinen so, als wäre gleichgeschlechtliche Liebe schon im Großen, also in der Gesellschaft angekommen. Als eine von vielen Möglichkeiten, einander zu lieben.

Strauß & Fliege Trauredner begleiten wunderschöne queere Trauung in Berlin
Foto: Melanie Meißner (Hochzeitslicht)
Strauß & Fliege Trauredner in Berlin Patrick Diemling
Foto: Melanie Meißner (Hochzeitslicht)

Du sagst, „als wäre gleichgeschlechtliche Liebe schon in der Gesellschaft angekommen“. Ist das mit der „Ehe für alle“ nicht schon passiert?

Nein, leider nicht. Es war ein wichtiger, ein toller und längst überfälliger Schritt, dass queere Paare nun heiraten und nicht bloß – ach, wie ich diesen Amtsdeutsch-Begriff liebe – eine „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen konnten. Aber andere Länder waren da schon längst weiter. Von der juristischen Gleichstellung kann man aber nicht den Fehlschluss ziehen, dass es Ausdruck einer flächendeckenden gesellschaftlichen Anerkennung sei. Es gibt immer noch Familien, die ihre lesbischen Tochter oder ihren schwulen Sohn ausstoßen, Bisexuelle werden unter Druck gesetzt, eine Hälfte ihrer Identität zu verbergen, trans* Menschen sind nach wie vor Opfer von Hassüberfällen und die Suizidrate unter queeren Jugendlichen ist nach wie vor erschreckend hoch. Es gibt also noch viel zu tun.

Queere freie Trauungen senden dabei ein wichtiges Signal hinaus in die Welt, dass wir Nicht-Heteros auch Teil der Gesellschaft sind und unsere Liebe ohne Angst zeigen und feiern wollen.

Was heißt „queer“ eigentlich genau?

Das ist ein Adjektiv aus dem Englischen. Daher spricht man es auch „kwier“ aus und nicht „quer“ wie in „Querdenker“. Es ist der Überbegriff für alle Seinsweisen, die vom heterosexuellen Mainstream abweichen. Manche kennen dieses sperrige Akronym „LSBTIQ“. Die beiden Begriffe meinen letztlich dasselbe: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* Menschen und Queers, also alle, die sich noch woanders anders verorten.

Stimmt natürlich, lesbische, schwule und insgesamt queere Liebe ist genauso schön wie die unter heterosexuellen Paaren. Wir können uns vorstellen, dass eine freie Trauung für sie angesichts der Schwierigkeiten, die du eben skizziert hast, vielleicht besonders emotional ist. Du hast da als Therapeut ja bestimmt auch einen psychologischen Blick drauf.

Eine Trauung ist für alle Paare etwas Besonderes. Unabhängig vom Geschlecht der Liebenden. Aber ja, würde ich auch sagen: Dieses sich öffentlich zueinander Bekennen ist für queere Paare schon noch mal was anderes ist als für heterosexuelle. Abgesehen von den mentalen und sozialen Schwierigkeiten, die sie vielleicht jeweils selbst erlebt haben, ist es auch ein großer Moment, die Eltern und Verwandten bei so einer Trauung anwesend zu wissen. Denn während wir Queers ja oft viele Jahre Zeit hatten, bis die Akzeptanz unseres Andersseins in uns reifen konnte, ist die Familie bei einem Outing damit ja innerhalb von ein paar Minuten konfrontiert. Dieser Schreck führt manchmal zu Zerwürfnissen und Familiendramen. Manchmal verstoßen Eltern ihre Kinder auch, um die Ehre der Familie zu retten oder einfach, weil „so etwas“ nicht in ihr Weltbild passt. Queere Trauredner*Innen, queere freie Trauungen feiern dann mitunter nicht nur die Liebe zweier Menschen, sondern auch die öffentlich zur Schau gebrachte Versöhnung ganzer Familien.

Aufgrund der tief verwurzelten Erfahrung, „nicht dazu zu gehören“, scheint es in meiner Wahrnehmung vielen queeren Menschen besonders wichtig zu sein, auf traditionelle Rituale wie die Ehe zurückzugreifen. Durch die „Ehe für alle“ dürfen nun auch lesbische und schwulen Menschen, verzeih den Ausdruck, „spießig“ sein. Ich meine das mit einem Augenzwinkern. Das Gemeinschaftsgefühl und der „safe space“, den sich queere Paare durch ihre Trauung wünschen, scheinen eine Antwort auf die leider nach wie drohenden Gefahren draußen, um sie herum zu sein. Die Ehe soll also vielleicht Halt und Sicherheit versprechen. Und diese Ebene schwingt bei queeren Hochzeiten, wie ich finde, noch mehr mit als bei heterosexuellen.

Was können wir machen, damit queere Liebe endlich ihren festen Platz in der Gesellschaft bekommt?

Schöne Frage. Abgesehen vom Offensichtlichen, nämlich Parteien wählen, die sich genau dafür einsetzen, würde ich sagen: Lasst Vielfalt in euren Köpfen zu! Hört auf, immer nur in festen Kategorien von Mann und Frau zu denken. Lasst in eurem Blick auf die Welt auch andere Liebeskonstellationen zu als die traditionelle Eins-und-eins-Paarbeziehung.

In meiner Arbeit als Berater spreche ich daher auch lieber von „Beziehungen“ und nicht nur von „Paaren“. Denn es kommen immer mal wieder Menschen in polyamorösen Beziehungen zu mir. 2017 haben sich in Kolumbien übrigens drei Männer das Ja-Wort gegeben. Das fand ich super. So eine „ménage à trois“ würde ich gerne mal als Redner begleiten.

Lieber Patrick, danke für das Gespräch.


Sucht Ihr einen Trauredner? Queer, professionell und mit Herz?

Dann seid Ihr bei uns richtig! Strauß & Fliege ist so bunt wie die Gesellschaft und wir finden bestimmt den passenden Redner für Eure Hochzeit. Schreibt uns eine unverbindliche Nachricht und wir arrangieren ein unverbindliches Kennenlernen.

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