Foto: Daniel Meier

Pasta und Tocotronic zum Paargespräch!

Unser neuer Trauredner in Leipzig: Philemon von Strauß & Fliege stellt sich vor.

Das Team von Strauß & Fliege wächst weiter! Wir freuen uns, dass Philemon dabei ist und stellen ihm hier ein paar feine Fragen, damit Ihr ihn besser kennenlernen könnt.

Lieber Philemon, Du bist bei Strauß & Fliege Trauredner für Leipzig und Umgebung. Dazu kommen wir gleich. Erst einmal was anderes: Soweit ich weiß, hat Dein Name einen biblischen Hintergrund, dazu interessierst Du Dich auch noch für Theologie. Wieso bist du denn freier Trauredner und nicht Pfarrer geworden?

Haha, gut recherchiert! Das ist interessant: Wenn Leute meinen Namen zuordnen, erkennt man manchmal, was für einen Hintergrund sie selbst haben. Wenn sie christlich aufgewachsen sind, dann ist ihnen der Namen eventuell in der Bibel begegnet. Wenn sie keinen christlichen, aber einen akademischen Hintergrund haben, dann kennen sie den Namen oft aus der griechischen Mythologie: Philemon und Baucis, ein altes Ehepaar, das die Götter besänftigt und sich am Ende seines Lebens in zwei Bäume verwandelt, die miteinander verwachsen – eine sehr romantische Geschichte.

Aber meine Eltern haben den Namen aus der Bibel, das stimmt schon. Ich bin dementsprechend auch sehr christlich aufgewachsen – zuerst klassisch evangelisch, dann irgendwann konservativ freikirchlich. Später bin ich für mein Studium von Zuhause weggezogen und habe angefangen, meine christliche Sozialisierung zu reflektieren und mich kritisch damit auseinanderzusetzen. Mein kulturwissenschaftliches Studium hat mir da natürlich ganz neue Sichtweisen eröffnet, mit all den philosophischen und geschichtlichen Ansätzen. Heute sehe ich den christlichen Glauben nicht mehr so schwarz-weiß.

Das klingt ja eigentlich alles wie prädestiniert für einen Trauredner…

Ich glaube, dass das für mich als freier Trauredner in Leipzig und auch für meine Paare eine tolle Chance ist: Ich kann mich sehr gut in Menschen hineinversetzen, die selber einen christlichen Hintergrund, aber vielleicht keine Lust auf das angestaubte Zeremoniell einer kirchlichen Trauung haben. Genauso kann ich aber auch Menschen verstehen, die mit dem Christentum gar nichts am Hut haben und sich trotzdem eine schöne Zeremonie mit Tiefgang wünschen. Ich freue mich drauf, das mit jedem Paar gemeinsam herauszufinden!

Als Du gerade eben von „Philemon und Baucis“ erzählt hast, meintest Du, das sei eine sehr romantische Geschichte. Bist Du denn selbst auch romantisch veranlagt?

Trauredner Philemon aus Leipzig
Foto: Daniel Meier

Ja, absolut, sehr! Und irgendwo bin ich da natürlich auch ein bisschen Opfer unserer Hollywood- und Instagram-Kultur, die Romantik mit Pastellfarben, Sonnenuntergängen und Jack & Rose gleichsetzt, wie sie da zitternd im Atlantik herumtreiben.

Aber wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann glücklicherweise, dass Romantik und dementsprechend auch die Liebe nicht so einfach gestrickt sind. Klar, auch große Gesten, Geschenke und Sonnenuntergänge können romantisch sein. Aber ich glaube, dass sich die Liebe viel öfter im Detail versteckt, zwischen den Zeilen, in scheinbaren Nebensächlichkeiten und dort dann ihre Magie entfaltet, ohne dass sie zwangsläufig verbalisiert oder materialisiert werden muss.

Und sowieso ist es ja so, dass Menschen ganz unterschiedliche Sprachen verwenden, um ihre Liebe und Zuneigung auszudrücken. Ich finde es selber immer unfassbar spannend und berührend, diesen Eigenarten in meinen eigenen Freundschaften und meiner eigenen Beziehung zu begegnen. Und genauso aufregend finde ich es natürlich, das als Trauredner in und um Leipzig bei meinen Paaren zu entdecken.

Du schreibst in Deinem Profil, dass Du in verschiedenen Museen arbeitest, Stadtführungen gibst, nebenbei Theater spielst und natürlich als freier Trauredner unterwegs bist – das ist ja ne ganze Menge. Bleibt da denn noch Zeit für anderes? Was machst Du denn, wenn Du nicht arbeitest?

Haha, tatsächlich habe ich mit Freunden auch noch eine kleine Selbstständigkeit aufgebaut, bei der wir Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene veranstalten – da arbeiten wir unter anderem mit Methoden aus der Theaterpädagogik. Also das stimmt, das ist schon eine ganze Menge. Allerdings handelt es sich durchweg um freiberufliche Tätigkeiten, die ich mir häufig selbst legen kann, wie ich sie brauche. Das verlangt natürlich viel Organisation, bietet mir letztlich aber auch eine Menge Freiheiten – auch wenn es dann natürlich um meine Arbeit als freier Trauredner geht, da kann ich mich besser auf meine Paare einstellen, als wenn ich nebenbei eine feste Anstellung im Hintergrund hätte.

Philomen als Trauredner bei Strauß & Fliege
Foto: Sergey Sivushkin

Und auch ansonsten bleibt mir noch genügend Zeit, um andere schöne Dinge zu tun. Ich höre unfassbar gerne und viel Musik: auf dem Rad, beim Frühstück, beim Joggen – und natürlich auch in Clubs und auf Konzerten. Da ich mich sehr für Worte und Sprache begeistern kann, höre ich sehr viel deutsche Musik – von Tocotronic und Kettcar, über Faber, bis hin zu härterem deutschem Rap. Ich mag es, wenn das Leben nicht immer nur glattgebügelt, sondern auch kantig ist und Widersprüche vereint – das macht die Dinge, die Menschen und die Beziehungen in unserem Leben doch erst so schön und spannend, oder?

Absolut!

Jedenfalls spiegelt sich das irgendwie auch in der Musik wider, die ich gerne höre. Und auch in den Büchern, die ich lese. Wolfgang Herrndorf und Haruki Murakami sind für mich beide Meister solcher Widersprüche. Bei Murakami findet man außerdem noch diese wunderschöne kontemplative, meditative Ebene – und die ist mir in meinem Leben auch wichtig, dieses: „Erstmal einen Gang zurückschalten“. Das passiert bei mir, wenn ich dann doch mal in der neuen Staffel von Stranger Things versinke. Oder auch, wenn ich zwei Stunden vor dem Herd stehe, um mir eine verdammt leckere Tomatensoße zu kochen – könnte ich eigentlich auch mal mit meinen Paaren machen: Pasta & Traugespräch!

Gute Idee! Aber abgesehen von italienischer Pasta: Was erwartet Paare denn, wenn sie Dich als Trauredner in Leipzig wählen?

Ich denke grundsätzlich sehr viel: Wenn ich vor Leuten stehe und etwas zu sagen habe – im Museum, beim Theater oder eben auch bei einer Traurede, dann mache ich das leidenschaftlich gerne. Abseits solcher Situationen bin ich aber eher eine ruhige Person und höre sehr gerne zu: Ich möchte meinen Paaren viel Raum geben – sowohl was ihre eigenen Erzählungen während unserer Treffen angeht, genauso aber auch was die Planung der Trauzeremonie anbelangt.

Natürlich gibt es bestimmte Dinge, die ich meinen Paaren aus Erfahrung nahelegen werde: zum Beispiel Live-Musik für die Zeremonie, statt Musik aus der Dose – und manch andere Dinge, die dazu beitragen, dass sich dieser besondere Moment auch tatsächlich besonders anfühlt, für das Paar und ihre Gäste. 

Ansonsten wünsche ich mir aber, dass mein Paare selbstbewusst sagen, was ihnen wichtig ist und welche Details sie sich für diesen besonderen Moment wünschen – ich kümmere mich dann darum und sorge dafür, dass wir gemeinsam eine unvergessliche Trauung erleben.  

Vielen lieben Dank, Philemon, für dieses interessante Gespräch!

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