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Trauredner Leo Andrews: Wie queere und bilinguale Freie Trauungen wirklich persönlich werden

Leo Andrews ist Journalist, Moderator und Comedian. Als Trauredner verbindet er genaues Zuhören mit Storytelling, Humor und seiner eigenen Erfahrung als queerer Ehemann und Vater. Seine Freien Trauungen gestaltet er auf Deutsch, auf Englisch oder bilingual – immer mit dem Anspruch, dass die Zeremonie wirklich für das jeweilige Paar entsteht.

Im Interview erzählt Leo von seiner ersten eigenen Trauung, von unterschiedlichen Erinnerungen an denselben Liebesmoment und davon, weshalb Verbindlichkeit für ihn gerade in schwierigen Zeiten sichtbar wird.

Freie Trauung mit bilingualem Trauredner Leo Andrews in Berlin

Leo verbindet persönliche Geschichten, Humor und zwei Sprachen in seiner Zeremonie. Foto: Hochzeitslicht

Leo, wie hast du deine erste eigene Trauung erlebt?

Vor meiner ersten eigenen Trauung war ich ehrlicherweise aufgeregter, als ich erwartet hatte. Ich hatte bereits mehr als ein Jahrzehnt lang große Momente organisiert und moderiert – Konferenzen, Panels und Bühnenauftritte. Aber eine Trauung ist etwas anderes: Man steht nicht neben dem wichtigsten Moment, man trägt ihn mit.

Am Ende war es weniger die große Choreografie, die gezählt hat, sondern die kleinen, echten Momente zwischen dem Paar.

Aus meiner Comedy-Erfahrung habe ich zugleich etwas sehr Praktisches mitgenommen: In den ersten 30 Sekunden ist es wichtig, eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Wenn die Gäste spüren, dass sie sicher durch diesen Moment geführt werden, können sie sich auf das Paar und seine Geschichte einlassen.

Wie hilft dir dein journalistischer Hintergrund beim Schreiben einer Traurede?

Aus dem Journalismus bringe ich vor allem eines mit: genau zuzuhören und die Geschichte zu finden, die ein Paar wirklich erzählen möchte, statt beiden eine Schablone überzustülpen.

Bei einer Hochzeit ging es beispielsweise um den Moment des Kennenlernens. Das Paar und eine dritte Person hatten diesen Augenblick jeweils ganz unterschiedlich in Erinnerung. Diese Diskrepanz habe ich während der Trauung offengelegt. Das war sehr humorvoll und zugleich emotional, weil durch die verschiedenen Perspektiven deutlicher wurde, was dieser Moment für jeden Einzelnen bedeutet hatte.

Genau solche Unterschiede machen eine Geschichte lebendig. Es geht nicht darum, im Nachhinein eine perfekte Version zu konstruieren. Spannend wird es dort, wo Menschen denselben Augenblick verschieden wahrgenommen haben und sich ihre Erinnerungen trotzdem zu einer gemeinsamen Geschichte verbinden.

Was hat deine eigene gleichgeschlechtliche und internationale Ehe deinen Blick auf Eheversprechen gelehrt?

Ich glaube, den Wert einer Beziehung erkennt man besonders in schwierigen Zeiten. Bei uns war das während einer längeren Krankheit so. Plötzlich war es nicht mehr möglich, Aufgaben symmetrisch aufzuteilen.

Deshalb versuche ich, mit Paaren bei ihren Eheversprechen auch über den Gedanken „in sickness and in health“ zu sprechen – darüber, in Gesundheit und Krankheit füreinander da zu sein. Denn irgendwann wird eine Beziehung mit Situationen konfrontiert, in denen nicht beide zur selben Zeit gleich viel tragen können.

Ein Eheversprechen besteht für mich deshalb nicht nur aus den schönen Vorstellungen vom gemeinsamen Leben. Es darf auch ausdrücken, was Verbindlichkeit bedeutet, wenn Pläne sich verändern, Kräfte ungleich verteilt sind oder ein Mensch den anderen eine Zeit lang stärker tragen muss.

Wie hat die Geburt eures Sohnes deinen Blick auf Familie verändert?

Unser Sohn Theodore ist Ende 2025 zur Welt gekommen. Unser Weg zur Elternschaft hat sehr konkret spürbar gemacht, was Verbindlichkeit bedeutet. Eine queere Familie zu gründen, war für uns mit sehr viel Hingabe und auch mit viel Bürokratie verbunden.

Familie war in diesem Prozess nichts, das einfach selbstverständlich passiert ist. Sie wurde aktiv erarbeitet: Schritt für Schritt, Formular für Formular.

Für meine Zeremonien hat mir diese Erfahrung noch deutlicher gezeigt, wie viel bewusste Entscheidung hinter einem Familienversprechen stehen kann. Eine Hochzeit verbindet nicht nur zwei Menschen an einem festlichen Tag. Sie kann auch sichtbar machen, welches gemeinsame Leben beide aufbauen möchten und wie bewusst sie Verantwortung füreinander und für ihre Familie übernehmen.

Was brauchen queere Paare von einer Freien Trauung?

Vor allem brauchen sie das Gefühl, dass die Zeremonie wirklich für sie gemacht ist. Es darf keine heteronormative Vorlage sein, in der lediglich ein paar Wörter ausgetauscht werden.

Das bedeutet ganz konkret: keine automatischen Annahmen über Rollen, zum Beispiel darüber, wer wen zum Altar führt. Es braucht eine Sprache, die beide Partner gleichermaßen sichtbar macht. Und es braucht Raum für die eigene, vielleicht ungewöhnliche Geschichte, wie zwei Menschen zueinandergefunden haben.

Eine queere Freie Trauung sollte nicht erklären müssen, weshalb eine Liebe richtig ist. Sie sollte diese Liebe so selbstverständlich und persönlich feiern, wie sie gelebt wird.

Für mich beginnt das mit offenen Fragen. Ich möchte wissen, welche Begriffe sich für ein Paar richtig anfühlen, welche Rollen überhaupt eine Bedeutung haben und welche Traditionen beide übernehmen, verändern oder bewusst weglassen möchten. Nicht die Vorlage bestimmt die Zeremonie, sondern das Paar.

Zwei Bräute sitzen mit ihren Blumensträußen bei einer Trauung im Freien.

Eine queere Freie Trauung gibt der eigenen Geschichte des Paares Raum. Foto: Felix Thonke

Wie verbindest du Deutsch, Englisch, unterschiedliche Kulturen und Humor?

Ich arbeite bewusst mit beiden Sprachen innerhalb desselben Ablaufs, statt sie streng voneinander zu trennen. So verpasst niemand die wichtigen Momente. Auch der Humor kann in beiden Sprachen stattfinden, ohne dass eine Pointe bei einer nachträglichen Übersetzung verloren geht.

Am Anfang mache ich gern einen kleinen Icebreaker über mein Aussehen – genauer gesagt über meine Glatze. Das funktioniert meistens sehr gut. Danach suche ich den Humor aber vor allem in den Wendungen der Beziehung. Jede Geschichte ist individuell, und genau dort liegen meistens bereits die persönlichen, überraschenden und komischen Momente.

Eine bilinguale Zeremonie sollte sich nicht so anfühlen, als würde alles zweimal vorgelesen. Beide Sprachen können vielmehr miteinander arbeiten. Manche Gedanken brauchen eine kurze Entsprechung in der anderen Sprache, andere erschließen sich durch den Zusammenhang, die Reaktion des Paares oder einen gemeinsam erlebten Moment.

Entscheidend ist, dass keine Gästegruppe das Gefühl bekommt, nur zuzuschauen. Die Zeremonie soll beide Sprachen und alle anwesenden Menschen miteinander verbinden.

Storytelling statt Standardschablone

Leos journalistische Arbeit, seine Bühnenerfahrung und sein eigenes Familienleben führen zu einem gemeinsamen Grundsatz: Eine Freie Trauung beginnt nicht mit einer fertigen Dramaturgie. Sie beginnt mit Zuhören.

Auch Paare, die Leo bereits begleitet hat, heben hervor, wie genau er ihre Geschichte und die gewünschte Mischung aus Emotion und Humor erfasst. Auf seinem Profil findet ihr neben weiteren Informationen auch die Rückmeldung von Madelein und Jonas zu ihrer bilingualen Trauung.

Wenn ihr Leo kennenlernen möchtet, findet ihr weitere Informationen und sein Videoporträt auf seinem Profil als Trauredner für Berlin. Einen Überblick über weitere Redner und Trauorte bietet außerdem unsere Seite zur Freien Trauung in Berlin.

Schreibt uns gern über die Kontaktseite, wenn ihr wissen möchtet, ob Leo an eurem Hochzeitstag verfügbar ist und zu euch passen könnte.

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