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Zwischen Sprachen Bühne und echten Gefühlen mit Elna Lindgens

Interview mit der mehrsprachigen Traurednerin aus München

Die mehrsprachige Traurednerin Elna Lindgens ist mit Deutsch und Schwedisch aufgewachsen. Heute arbeitet sie als Schauspielerin, Sprecherin, Literaturübersetzerin und Traurednerin. In all diesen Berufen hört sie genau hin, sucht nach dem richtigen Ton und versucht zu verstehen, was Menschen wirklich erzählen möchten.

Elna Lindgens spricht im Interview über Heimat, Sprache und Zugehörigkeit. Sie erzählt, wie ihr trockener Humor und ihre Bühnenerfahrung in ihre Trauungen einfließen und warum manchmal ein Blick, ein Gegenstand oder eine kurze Stille mehr über ein Paar verrät als eine ausführliche Antwort.

Freie Traurednerin Elna Lindgens aus München | Strauß & Fliege

Elna erzählt, wie Sprache, Humor und genaues Zuhören ihre Traureden prägen. Foto: Manu Theobald

Wie Zweisprachigkeit den Blick auf Heimat prägt

Sowohl Norddeutschland als auch Finnland sind vielleicht nicht unbedingt dafür bekannt, dass dort besonders viel geschwatzt wird. Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, dass Menschen sehr gesprächig werden können, wenn ihnen das Herz übergeht oder ihnen ein Thema wirklich wichtig ist. Das habe ich mitgenommen: schweigen, wenn man besser schweigen sollte, und reden, wenn es etwas mitzuteilen gibt. Als Berlinerin quatsche ich allerdings auch jeden an, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Meine zweite Muttersprache ist Schwedisch. Sie wird in der Region Finnlands gesprochen, aus der meine Mutter kommt, ist aber vor allem die Sprache eines anderen Landes. Dadurch empfinde ich eine emotionale und kulturelle Verbindung zu Schweden und auch zu anderen Ländern der nordischen Gemeinschaft, mit denen ich herkunftstechnisch nichts zu tun habe.

Im Schwedischen gibt es übrigens kein direktes Wort für „Heimat“. Das finde ich interessant. Auch in Ländern wie Italien, Irland oder Spanien, deren Sprache ich vielleicht gar nicht spreche, kann sich Vertrautheit einstellen. Warum das so ist, weiß ich nicht. Zugehörigkeit, Sprache und Heimat sind vielschichtig. Sie lassen sich nicht einfach festlegen, sorgen immer wieder für Überraschungen und wollen individuell gelebt werden. Sprache ist für mich immer ein Zugewinn und keine Erschwernis.

Wann Schauspiel Übersetzung und Freie Trauung zusammenfanden

Carola Söllner, eine gute Freundin und Rednerin bei Strauß und Fliege, erzählte mir von ihrer Arbeit als Traurednerin. Ich wusste damals ehrlich gesagt nicht einmal, dass es diesen Beruf gibt.

Dann durfte ich bei einer Freien Trauung von Johann hospitieren und dachte: Wahnsinn, das kann man beruflich machen. Da kommt alles zusammen, was ich gern mache. Ich darf Geschichten kennenlernen und erzählen, an Sprache feilen und Gefühle, Humor und Worte übersetzen. Ich kann Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen. Und mein Altgriechisch-Abi kann endlich auch irgendwohin. Jackpot.

„Zur Zeit unserer Hochzeitsvorbereitung lebten wir in Kopenhagen, deshalb mussten die meisten unserer Treffen online stattfinden.“

Laura und Justin bereiteten ihre Hochzeit auf Mallorca mit Rednerin Elna von Kopenhagen aus vor.

Woran Elna die wichtigen Details eines Paares erkennt

Das hat viel mit Intuition zu tun. Oft verlangen vermeintliche Nebensächlichkeiten plötzlich Aufmerksamkeit: ein Wort, das wiederholt wird, eine Geste, ein Blick oder auch etwas in der Wohnung. Ein Foto, ein Gegenstand oder eine Farbe kann unerwartet viel erzählen.

Manchmal verändert sich die Atmosphäre während eines Gesprächs fast körperlich spürbar. Es entsteht eine kurze Stille oder ein Zögern. Danach kommt etwas Wichtiges, das ein wenig Zeit gebraucht hat, um sich herauszutrauen. Wenn es mir gelingt, solche Momente aufzuspüren und möglich zu machen, macht mich das glücklich.

Wie trockener Humor und große Gefühle zusammenpassen

Am Ende komme ich doch von der Bühne. Dort gilt: Du sollst dein Publikum nicht langweilen. Das bedeutet nicht, dass die Gäste bei einer Freien Trauung eine Vorstellung besuchen oder dass es nur um Unterhaltung geht.

Ich bin aber überzeugt, dass Lachen unsere Herzen öffnet und dadurch auch anderen Gefühlen den Weg bahnt. Dazu gehören Tränen. Lachen schützt außerdem vor Sentimentalität, und das ist mir persönlich wichtig.

Bei manchen Geschichten gibt es wenig zu lachen. Dann darf Humor kein billiger Lückenfüller sein. In der Vorbereitung sind genaues Zuhören, Fingerspitzengefühl und Respekt gefragt. Ich frage mich: Worüber lacht das Paar selbst? Welche Themen sind tabu? Was berührt die beiden an ihrer eigenen Geschichte? Ebenso wichtig ist, vor wem ich diese Geschichte erzähle und wie das Paar von diesen Menschen gesehen werden möchte. Daraus entsteht im besten Fall die richtige Mischung.

Brautpaar sitzt bei der Trauzeremonie in Schweden im Freien, die Braut lacht

Lachen und große Gefühle dürfen nebeneinanderstehen – hier bei einer Hochzeit mit Elna in Schweden. Foto: Gerhard Kassner

„Elna hat sich viel Zeit genommen uns kennenzulernen, uns als Paar verstanden und eine Rede gehalten, die uns und unsere Gäste tief gerührt hat. Und das ganz ohne falschen Kitsch und mit viel Humor.“

Hanna und Micha erlebten Rednerin Elnas Traurede als persönlich, humorvoll und frei von Kitsch.

Was viele Paare über Liebe lehren

Was ich durch die vielen Paare über Liebe, Romantik und langfristige Beziehungen gelernt habe? Dass es sehr einfach und sehr kompliziert ist.

Eine mehrsprachige Trauung mit Elna Lindgens

Elna hört auf Worte und auf das, was zwischen ihnen passiert. Ihre Erfahrung mit Bühne, Sprache und Übersetzung hilft ihr, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie persönlich bleibt und gleichzeitig alle Gäste erreicht. Dabei darf gelacht werden. Und ihrem eigenen Motto entsprechend darf es dauern, bis einer weint.

Wenn ihr Elna kennenlernen und über eure Freie Trauung sprechen möchtet, schreibt Strauß und Fliege. Das erste Kennenlernen ist unverbindlich.

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