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Trauredner Maik Priebe: Warum eine Freie Trauung keine perfekte Inszenierung braucht

Maik Priebe arbeitet seit drei Jahrzehnten als Theater- und Filmregisseur. Nun bringt er seine Erfahrung als genauer Beobachter, ruhiger Gastgeber und Geschichtenerzähler auch in Freie Trauungen ein. Dabei geht es ihm gerade nicht darum, zwei Menschen zu inszenieren. Er möchte ihnen helfen, ihre bereits vorhandene Geschichte so zu erzählen, dass sie sich darin wiedererkennen.

Im Interview spricht Maik über widersprüchliche Erinnerungen, unsichtbare Regie und die Frage, warum eine Hochzeit für ihn nicht der „schönste Tag im Leben“, sondern der schönste Anfang sein kann.

Freier Trauredner Maik Priebe aus Leipzig in Sachsen

Maik bringt seinen Blick aus Theater und Film in persönliche Trauungen ein. Foto: Birgit Kaulfuß

Maik, was hat dich nach vielen Jahren als Theater- und Filmregisseur zu Freien Trauungen geführt?

Eigentlich ist es gar nicht so weit von dem entfernt, was ich seit 30 Jahren mache: Ich interessiere mich für Menschen und dafür, was zwischen ihnen passiert.

Im Theater sind es erfundene Geschichten. Bei einer Trauung ist die Geschichte bereits da. Und sie ist meistens komplizierter, lustiger und wahrer als alles, was man sich ausdenken könnte.

Ich finde den Gedanken schön, einmal nicht etwas zu inszenieren, sondern zwei Menschen dabei zu helfen, ihre eigene Geschichte so zu erzählen, dass sie sich darin wiedererkennen.

Warum passt deine ruhige und nachdenkliche Art zu einer persönlichen Freien Trauung?

Eine Freie Trauung kann laut und exzentrisch sein, wenn das Paar laut und exzentrisch ist. Aber sie muss es nicht.

Ich glaube sogar, dass das Persönliche häufig dort entsteht, wo man auf die üblichen Hochzeitsklischees verzichtet. Ich möchte niemandem eine bestimmte Vorstellung von einer „richtigen“ Trauung überstülpen.

Wenn jemand auf einem Pferd einzieht, kann das großartig sein. Wenn jemand einfach hereinkommt und sich freut, den anderen zu sehen, kann das genauso großartig sein. Entscheidend ist nicht die Lautstärke, sondern ob es stimmt.

Und vielleicht ist es ganz hilfreich, wenn wenigstens einer ruhig und gelassen bleibt und die Aufregung bündeln kann.

Im Theater gibt es Rollen und einen vorgegebenen Text. Wie verändert sich deine Aufgabe bei einer Trauung?

Ziemlich grundsätzlich. Im Theater ist es mein Beruf, eine Geschichte zu erzählen, die nicht meine eigene ist. Bei einer Trauung muss ich vor allem zuhören.

Ein Paar erzählt mir sehr persönliche Dinge. Daraus muss ich keine bessere Geschichte machen, sondern die richtige finden. Deshalb bin ich eher ein Regisseur im Hintergrund: Ich sortiere, frage nach, erkenne Zusammenhänge und streiche vielleicht auch einmal etwas.

Am Ende sollen aber nicht meine Ideen zu sehen sein, sondern die beiden Menschen.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer Trauung, die lediglich gut klingt, und einer Trauung, in der ein Paar sich wirklich erkennt. Meine Arbeit gibt der Geschichte eine Form. Sie soll ihr aber nichts überstülpen, was nicht zu den beiden gehört.

Auf deinem Profil steht, jede Liebesgeschichte bestehe aus mindestens zwei Versionen. Wie gehst du mit Widersprüchen um?

Mit großem Vergnügen.

Wenn er sagt, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, und sie sagt, sie habe ihn beim ersten Treffen ziemlich anstrengend gefunden, dann erzähle ich beides. Nacheinander, mit einer kleinen Kunstpause dazwischen, damit alle merken: Das ist keine Panne, das ist die Pointe.

Zwei Versionen einer Geschichte sind kein Widerspruch, den man auflösen muss. Sie sind der Beweis, dass zwei Menschen zugehört und sich trotzdem unterschiedlich erinnert haben.

Genau das ist doch romantisch: Man bleibt sich uneinig und heiratet trotzdem.

Eine Liebesgeschichte ist keine Zeugenaussage. Zwei Menschen können sich an denselben Abend völlig unterschiedlich erinnern und trotzdem beide recht haben. Ich möchte solche Unterschiede nicht glattbügeln.

Wenn ein Paar sich bei einer Geschichte gegenseitig widerspricht, aber beide dabei lachen müssen, weiß ich meistens: Das gehört unbedingt in die Trauung.

Brautpaar lacht gemeinsam während einer freien Trauung

Gemeinsames Lachen darf seinen Platz haben – auch ohne perfekte Inszenierung. Foto: Florian Effelsberg

Eine Trauung hat keine wirkliche Generalprobe. Wie entsteht trotzdem ein verlässlicher Rahmen?

Ich widerspreche der Prämisse ein wenig: Auch im Theater ist keine Vorstellung wie die andere, selbst mit exakt demselben Text. Ein Zuschauer hustet an einer anderen Stelle, ein Schauspieler hat einen besonders guten oder einen zähen Abend, und plötzlich sitzt eine Pointe drei Sekunden anders.

Man probt nicht, damit alles gleich wird. Man probt, damit man souverän genug ist, wenn es nicht gleich wird.

Bei einer Trauung ist das ähnlich – nur ohne Vorhang, der einen rettet. Ich entwickle einen klaren Ablauf, an dem sich das Paar festhalten kann. Genau dieser Halt schafft den Raum, in dem spontane und echte Momente geschehen dürfen, ohne dass etwas aus dem Ruder läuft.

Die beste Regie ist die, die man nicht bemerkt.

Für ein Paar bedeutet das: Es muss am Hochzeitstag keine Rolle spielen und keinen Text perfekt aufsagen. Die Vorbereitung sorgt dafür, dass der Rahmen trägt. Innerhalb dieses Rahmens darf gelacht, geweint, kurz innegehalten und auch einmal improvisiert werden.

Du glaubst nicht an den „schönsten Tag im Leben“, sondern an den „schönsten Anfang“. Was meinst du damit?

Eine Hochzeit sollte nicht der Höhepunkt einer Liebesgeschichte sein. Sonst wird es am nächsten Morgen ziemlich schwierig.

Auch der Tag selbst muss nicht unbedingt die Hauptrolle spielen – selbst wenn das Kleid, die Musik und die Tante mit der Kamera das gern anders sehen.

„Schönster Tag“ klingt nach Gipfel, nach: Ab morgen geht es bergab. Ich mag den Gedanken des schönsten Anfangs, weil er ehrlicher ist. Eine Hochzeit ist der Auftakt zu etwas, das noch niemand kennt – mit Umzugskartons, Steuererklärungen und Streit über die richtige Beladung der Spülmaschine inklusive.

Genau das feiern wir. Nicht, dass jetzt alles perfekt ist, sondern dass zwei Menschen sich zutrauen, den Rest gemeinsam schlecht zu improvisieren.

Das ist, mit Verlaub, das Schönste, was ein Text an diesem Tag leisten kann.

Vielleicht ist eine gute Trauung deshalb nicht die perfekte Inszenierung eines perfekten Tages. Sie ist ein sehr persönlicher Moment, von dem zwei Menschen später sagen können: Genau so wollten wir anfangen.

Maik als Trauredner in Leipzig kennenlernen

Maiks Blick aus der Regie passt zu Paaren, die keine große Show suchen, sondern einen klaren Rahmen und eine Geschichte, die nach ihnen selbst klingt. Auf seinem Profil als Trauredner bei Strauß & Fliege findet ihr weitere Informationen über ihn und seine Art zu arbeiten.

Wenn ihr in Leipzig oder der Umgebung heiraten möchtet, findet ihr außerdem Anregungen und weitere Redner auf unseren Seiten zur Freien Trauung in Leipzig und zur Freien Trauung in Sachsen.

Schreibt uns gern über die Kontaktseite, wenn ihr wissen möchtet, ob Maik an eurem Hochzeitstag verfügbar ist und zu euch passen könnte.

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