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Trauredner Martin Langenbeck über Timing, Humor und persönliche Freie Trauungen

Martin Langenbeck ist Schauspieler, Sprecher, Autor und freier Trauredner in Berlin. Im Interview spricht er darüber, was eine wohlgesetzte Pause bewirken kann, warum Humor nie auf Kosten anderer gehen darf und wie er die eigene Sprachmelodie eines Paares findet. Auch seine eigene internationale Ehe prägt seinen Blick auf Zeremonien, die Familien zusammenbringen.

Trauredner Martin Langenbeck aus Berlin

Martin Langenbeck. Foto: René Löffler

Martin, was hilft dir aus deiner Bühnenerfahrung bei einer Trauzeremonie?

Durch meine langjährige Bühnenerfahrung verfüge ich über ein recht passables Handwerkszeug und könnte mich stundenlang zu all diesen Fragen auslassen, aber welche Erkenntnis mir beim Abhalten einer Zeremonie am hilfreichsten zu sein scheint, ist das Geheimnis des richtigen Timings. Denn was ist das Wichtigste beim Erzählen? Was bringt eine Pointe zum Erstrahlen? Es ist die wohlgesetzte Pause.

Und doch gibt es einen großen Unterschied zwischen meiner Arbeit als Schauspieler und der als Redner, denn als Schauspieler schlüpfe ich in eine Rolle und kann mich gewissermaßen hinter der Figur verstecken. Das ist als Redner unmöglich, da jeder Gedanke mein Gedanke ist, was allerdings insofern auch einen erheblichen Vorteil darstellt, als ich nicht gezwungen bin, Texte aufzusagen, die häufig, freundlich ausgedrückt, gruselig vorzutragen und nahezu unmöglich mundgerecht zu machen sind.

Als Redner habe ich die Freude, mein selbstverfasstes Werk vorzutragen, und trete damit ganz natürlich auf. So, wie das Paar mich kennen- und mögen gelernt hat. Dadurch vermeide ich einen falschen, im schlimmsten Falle pastoralen Duktus und bin ganz nahbar und direkt bei meiner Zuhörerschaft.

Wie findest du den Ton, der wirklich zu einem Paar passt?

Ich sorge für Lebendigkeit in meiner Rede dadurch, dass ich hinter der Liebesgeschichte der Hochzeitswilligen zurücktrete und sie ganz ins Zentrum des Geschehens rücke.

Mein Fragebogen ist so aufgebaut, dass ich, selbst wenn die Antworten ganz knapp gehalten sind, ein zuverlässiges Gefühl für das Paar bekomme. Ich muss ihre Texte nur aufmerksam lesen, um herauszufinden, welcher Ton, wenn man so will, welche Sprachmelodie, welcher Erzählstil mir vorgegeben wird, und dies dann auf meine Rede anwenden.

Beim Paargespräch überprüfe ich dann meine Eindrücke und finde heraus, welche Details ihnen wirklich wichtig sind und was den beiden besondere Freude bereitet.

Ich stülpe einem Paar nicht eine Art zu erzählen über und vermeide es tunlichst, vermeintliche Weisheiten von mir zu geben, sondern ich schöpfe einzig und allein aus dem von ihnen Gesagten selbst und allem, was die beiden ausmacht. Ich inszeniere sie nicht in etwas hinein, sondern erwecke die mir zur Verfügung gestellten Informationen in ihrem Sinne zum Leben.

Welche Rolle spielt Humor in deinen Traureden?

Humor ist ein integraler Bestandteil einer guten Rede. Lachen verbindet. Eine Zeremonie ist keine Comedyshow und ich bin nicht der Spaßvogel vom Dienst.

Uns Hamburgern wird ein trockener, direkter und herzlicher Humor nachgesagt, verbunden mit hanseatischem Understatement und einer Brise Selbstironie.

Schon im Kennenlerngespräch merkt man, ob es miteinander funktioniert, und das hat meiner Meinung nach maßgeblich auch mit einer ähnlichen Auffassung von Humor zu tun.

Ein Scherz um seiner selbst willen ist das Gegenteil von lustig. Ein Spaß darf nie auf Kosten einer anderen Person gehen und sollte stets liebevoll und mit einem Augenzwinkern präsentiert sein.

Wir alle haben es wohl schon erlebt, wie man sich für einen schlechten Witz eines selbstverliebten Vortragenden fremdschämen musste. Und das war dann den ganzen Abend ein beherrschendes Gesprächsthema.

Wenn ich das Gefühl habe, ein Detail birgt das Risiko, einen der beiden zu verletzen, lasse ich es weg. Niemand vermisst ein Detail, aber etwas unangenehm Erwähntes kann die Stimmung ruinieren.

Freie Trauung mit Martin Langenbeck

Persönliche Worte für die gemeinsame Geschichte. Foto: Jakob Tillig

Was ist dir bei interkulturellen Paaren und Familien wichtig?

Gerade bei interkulturellen Paaren ist es wichtig herauszufinden, was ihnen und vielleicht gerade auch den Eltern wichtig ist. In meinen Zeremonien gibt es keine Politik, Religion nur auf Nachfrage und in homöopathischen Dosen.

Eine der Familien ist in der Regel Gast in Deutschland. Und das versuche ich in der Rede zu berücksichtigen und besonders anzusprechen.

Ich weiß um den Zauber und die möglichen Unterschiede in der Wahrnehmung von Paaren aus verschiedenen Ländern und Kulturen, habe selbst durch die Verbindung mit meiner Frau erfahren, wie Familienmitglieder und Freunde sich durch die Hochzeit vielleicht sogar zum ersten Mal treffen und über Kontinente hinweg zusammenwachsen – und wie die Welt dadurch gleichzeitig größer und kleiner wird. Größer, weil sich der Horizont erweitert. Und kleiner, da ein Ort fernab der eigenen Heimat zu einem neuen Zuhause wird, weil es dort nun Familie gibt.

Wie gestaltest du den Wechsel zwischen Deutsch und Englisch?

In einer bilingualen Zeremonie spreche ich satz- oder abschnittsweise in beiden Sprachen. Ich gebe ungern Zettel aus, weil es für die Gäste dadurch schwieriger wird, den Vortrag mitzuerleben.

Ich spreche die Hochzeitsgesellschaft immer zuerst auf Englisch an und übersetze anschließend ins Deutsche. Das muss nicht immer wörtlich sein. Teilweise ergänze ich den Text auch durch Kommentare und spiele mit beiden Sprachen.

Meistens gefällt meinen Paaren die Idee, das Ja-Wort in der Sprache des jeweils anderen vorzutragen.

Was lernst du durch deine Paare über deine eigene Ehe?

Es ist immer wieder unsagbar spannend und auch amüsant zu sehen, wie viele Gemeinsamkeiten ich persönlich mit vielen Paaren teile, auch wenn die Details sich unterscheiden. Nahezu jedes Paar regt mich dazu an, auch meine eigene Ehe zu reflektieren. Es macht Spaß, von meiner Arbeit fürs Leben zu lernen und andersherum.

Welcher unerwartete Moment ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Es berührt mich immer wieder, zwei Menschen zu erleben, die sich aus Liebe und Verbundenheit vor ihren Familien und Freunden zueinander bekennen wollen. Ich weiß, wie sich das anfühlt und wie wundervoll das ist.

Ich sage am Anfang immer, dass alle ihren Emotionen bitte gern freien Lauf lassen sollen und dadurch können unerwartete, zauberhafte Momente entstehen.

Einmal hat der irische Vater einer Braut während meiner Rede spontan angefangen, ein Lied anzustimmen. Da haben wir dann alle andächtig zugehört. Es war großartig. Und danach ging es dann mit meiner Rede weiter.

Martin kennenlernen

Weitere Informationen, sein Videoporträt und Erfahrungen von Paaren findet ihr auf Martins Profil als Trauredner in Berlin. Wer sich mit den eigenen Worten für die Zeremonie beschäftigen möchte, findet außerdem Unterstützung beim Eheversprechen-Coaching.

Schreibt uns gern über die Kontaktseite, wenn ihr Martin kennenlernen möchtet.

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